Das Projekt TILIA ist als dreiphasiges Design-Based-Research-Vorhaben angelegt. Ausgangspunkt ist eine empirische Exploration der Problemstellung, in der Orientierungen und Praktiken rund um das häusliche Üben rekonstruiert werden. Auf dieser Grundlage werden im kooperativen Designprozess mit erfahrenen Musikpädagog*innen spielbasierte Artefakte entwickelt, erprobt und iterativ weiterbearbeitet. Vielversprechende Konzepte werden anschließend in digitale Prototypen überführt und im Hinblick auf ihre pädagogische und konzeptionelle Tragfähigkeit ausgewertet.
In der ersten Phase wird die Ausgangslage des Projekts empirisch rekonstruiert. Ziel ist es, zentrale Orientierungen und Erwartungsstrukturen sichtbar zu machen, die das häusliche Üben im Instrumentalunterricht prägen.
Hierzu werden mit Eltern problemzentrierte Interviews nach Witzel (1985) geführt. Im Zentrum steht die Frage, welche impliziten Haltungen ihr Handeln bei der Begleitung des Übens leiten. Die Auswertung erfolgt mit der Dokumentarischen Methode nach Bohnsack (2013), um über explizite Aussagen hinaus handlungsleitende Orientierungen rekonstruieren zu können.
Ergänzend werden mit Lehrkräften Fokusgruppengespräche (Schulz, 2012) durchgeführt. Dabei wird untersucht, welche Erwartungen sie an das häusliche Üben sowie an die Rolle der Eltern im Lernprozess richten. Auf diese Weise werden sowohl familiale als auch pädagogische Perspektiven auf die Ausgangslage des Projekts systematisch erfasst.
In der zweiten Phase erfolgt die Entwicklung der Intervention im Sinne von Design-Based Research als Research Through Design (vgl. Reinmann, 2023). Auf der Grundlage der in Phase 1 rekonstruierten Orientierungen und Erwartungsstrukturen werden gemeinsam mit erfahrenen Musikpädagog*innen spielbasierte Artefakte entworfen, im Praxisfeld erprobt und iterativ weiterentwickelt. Das Entwerfen dient dabei nicht nur der Entwicklung möglicher Lösungen, sondern zugleich der Gewinnung von Erkenntnissen über tragfähige Gestaltungsprinzipien elterlicher Unterstützung beim häuslichen Üben.
Kennzeichnend für diese Phase sind iterative Zyklen von Entwurf, Erprobung, Analyse und Revision. Vielversprechende Ansätze werden im Projektverlauf aufgegriffen, modifiziert und in ihrer pädagogischen Tragfähigkeit weiter geprüft. Im Zentrum steht dabei nicht primär die Vermittlung instrumentenspezifischer Inhalte, sondern die Frage, wie ein Spiel Kommunikation anregen, Motivation fördern und Eltern zur Initiierung unterstützender Rahmenhandlungen im Übeprozess befähigen kann.
In der dritten Phase werden ausgewählte, in der analogen Erprobung als tragfähig identifizierte Spielkonzepte in digitale Prototypen überführt. Die Phase erfolgt in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen. Ziel ist es, vielversprechende Ansätze nicht nur technisch zu übertragen, sondern sie im digitalen Format hinsichtlich Bedienbarkeit, Motivationspotenzial und pädagogischer Funktion weiterzuentwickeln.
Der Prozess wird fachlich durch Prof. Dr. Norbert Schnell aus dem Studiengang Games & Immersive Media begleitet. Die digitale Umsetzung dient dabei nicht allein der Herstellung eines nutzbaren Prototyps, sondern auch der weiteren konzeptionellen Schärfung der entwickelten Intervention. Auf diese Weise bildet die dritte Phase den Übergang von der analogen Designentwicklung zu einer digital vermittelten, im Projektkontext anschlussfähigen Lösung.
Bohnsack, R., Nentwig-Gesemann, I., & Nohl, A. M. (2013). Einleitung: die dokumentarische methode und ihre forschungspraxis. In Die dokumentarische Methode und ihre Forschungspraxis: Grundlagen qualitativer Sozialforschung (pp. 9-32). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Reinmann, G. (2023). Design-Based Research (DBR) als Research Through Design (RTD): Qualitätsstandards für RTD in der Hochschuldidaktik. EDeR. Educational Design Research, 7(1).
Schulz, M. (2012). Quick and easy!? Fokusgruppen in der angewandten Sozialwissenschaft. In Fokusgruppen in der empirischen Sozialwissenschaft: Von der Konzeption bis zur Auswertung (pp. 9-22). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Witzel, A. (1985). Das problemzentrierte interview (pp. 227-255). Beltz.